von Bernd Runge
SY„Fierobend“

getauft am 19.08.1967 von Jörg Wittenburg, Enkel des Eigners, am Ufer der Bille
„Hier liegst du nun, du stolze Yacht
ein Lebenstraum ist nun vollbacht
und alle, die hier bei dir steh’n
würden es noch so gerne seh’n
daß Opa und Oma wohl maches Jahr
ihre Freude dran haben – das ist wahr.
Und nach Graf Luckners alten Regeln
dem Teufel noch ein Ohr absegeln.
Im Feierabend wurdest du mit Liebe gebaut,
du stolze Yacht, du Seglers Braut.
Drum bring auch viel Freude und Sonnenschein
in den Lebensfeierabend unserer Eltern rein.
„Fierobend“ soll dein Name sein.
Gute Fahrt und goden Wind – Ahoi“

Hinrich Eickhof, geboren 1897 in Altenwärder, wird Schiffszimmerer.
Hinnerk, wie seine Segelkameraden ihn nannten, tritt Anfang der
1920er Jahre in den BWSV ein. Mit ihm seine selbstgebaute Weserjolle.
1962 wird Hinnerk Rentner und beschliesst, seinen Lebenstraum, den Bau eines seetüchtigen Kielbootes – angelehnt an die Linien des bewährten Folkebootes – zu erfüllen.



Das Schiff wird in fünfjähriger Bauzeit ohne Zuhilfenahme von Maschinen von Hand gebaut. Der Waschkessel wurde zum Steamkessel um Spanten und Planken gefügig zu biegen.
(ein heimlicher Stapellauf an der Billerhuder Insel am 31.07.1967 zeigt,
daß die Wasserlinie – wie erwartet – stimmt. )

1968 Taufe und Stapellauf; segeln auf der Ober- und Unterelbe; von Lauenburg bis in die Oste.
1969 2 Monate Seetest auf der Ostsee – zur vollen Zufriedenheit
1971 Über den Sommer unternimmt Hinnerk noch einige Törns auf der Ostsee, bringt das Schiff über den Elbe-Trave-Kanal bis an die Bille und stirbt unmittelbar danach am 14.09.1971.

1972 „Fierobend“ wird an den Marineoffizier H. Plesmann nach Wilhelmshaven verkauft ( 22.000 DM ) und erhält den Namen „Flying P.“
~ 1992 „Flying P.“ wird an zwei namentlich nicht bekannte Herren verkauft. Sie sollen eine BMW-Vertretung in Hamburg betreiben. Das Schiff erhält den Namen „Boys Toy“.
~ 1999 H. Runkel wird neuer Eigner. Segelgebiet: westliche Ostsee
2001 Steven Livengood kauft das Schiff und nennt es „Wanderer“.
2005 Ymte Greydanus aus Barsinghausen erwirbt das Schiff. Es wird beim LYC in Travemünde festgemacht. Dort entdeckt es Jörg Wittenburg zufällig bei einem Spaziergang und hinterlässt an Bord eine Nachricht mit der Bitte um Kontaktaufnahme. Man ist sich sympathisch und bleibt freunschaftlich verbunden.
2019 Bernd Runge aus Hamburg kauft das Schiff, tritt dem BWSV bei und schließt damit zunächst den Kreis.

SY „Wanderer“ – ex „Fierobend“
Länge: 7,85 m Breite: 2,30 m Tiefgang: 1,35 m, Gewicht: ~ 2,8 t
Das Schiff verfügt über einen gusseisernen Langkiel von 1.150 kg Gewicht, verbunden mit 8 durchgehenden, gegen die Bodenwrangen verschraubten Bolzen. Am Spiegelheck befindet sich das angehängte Ruder, welches mit Fingerzapfen am Steert des Kiels gelagert ist.
Der Mast hat eine Länge von 10 m, steht an Deck in einem Kokerund kann ggf. mittels eines Jütbaums gelegt werden. Mast und Baum sind aus Silverspruce ( Fichte ? ), hohl und geleimt.
Die Segelfläche beträgt ca. 26 m² ( Großsegel: 16m² / Vorsegel: 10m² )
Die Konstruktion ist eine Touring-Version des Folkeboots, als seefähige Yacht ausgeführt mit selbstlenzendem Cockpit, geräumiger Kajüte und insgesamt etwas größeren Dimensionen als beim Folkeboot.
Im Gegensatz zum geklinkerten Folkeboot ist „Wanderer“ karweelgeplankt. Die unteren Plankengänge sind aus Eiche. Ebenso Kiel und Steven. Die oberen Planken, etwa ab Wasserlinie, sind aus Mahagoni.
Alle Planken sind durchgehend, ohne Stoss.
Die kräftigen Spanten aus Rubinie sind in engen Abständen gesetzt und geben dem Rumpf eine hohe Festigkeit und Verwindungssteife. Das Deck besteht aus Bootsbausperrholz und einem darüber verlegten Teakholz-Stabdeck. Kajüte, Vorluk und Cockpit sind aus Vollholz-Mahagoni.
Sailnge, Handläufer, Gratings und Süllranddeckel sind aus Esche.Noch heute macht das Boot beim zu Wasser lassen im Frühjahr kaum Wasser. Im April 2019 lag die Menge bei ca. 40 Ltr. In den ersten Stunden. Danach drang kein Wasser mehr ein. Dies spricht für die Qualität des Holzes und des Bootsbau(er)s.
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Das Boot lässt sich grob in drei Bereiche aufteilen:
- Der Cockpitbereich reicht vom Heck bis zum Kajütschott. Neben den Einrichtungen zum Steuern, Navigieren und Segeln des Bootes gehören dazu auch Backskisten mit Stauraum für Leinen, Fender, Westen und Werkzeug.
- Die Hauptkajüte umfasst den Salon mit Kombüse und Wohn- bereich ( sic ! ). Die beiden Salonkojen bieten auch auf längeren Törns bequeme Schlafmöglichkeit für 2 Erwachsene. Stauraum ist in 2 Spinden, unter den Kojen, in den Racks über den Kojen und in der Bilge vorhanden. Volle Stehhöhe hat man allerdings nur im Bereich des geöffneten Schiebeluks.
- Der Vorschiffsbereich bietet Schlafmöglichkeit für einen Erwachsenen oder zwei Kinder oder kann als Stauraum genutzt werden.